schön sein

Schönheit kostet …. vor allem Zeit

by mw
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Das zumindest scheint uns die Medienlandschaft tagtäglich sagen zu wollen. Ich jedenfalls verstehe es so … Es vergeht ungelogen kein Tag, an dem ich nicht über Fettschmelze, Lidstraffung, Work-out für die Oberschenkel oder obligatorische Anleitungen für die Bikinifigur” stolpere. Dazu kommen seit neuestem Tipps, wie man sich beim Sex positioneren soll, um eine vorteilhafte Figur zu machen: Doppelkinn vermeiden, Händebusen kaschieren, Schmollmund einfrieren. Absurd!

Ich krieg ständig ein schlechtes Gewissen eingetrichtert, weil ich nicht jeden Morgen schwimmen gehe (Ok, mit Privatpool wär das evtl. eine Option) meine Besenreißer kaschiere, mir die beine anmale für eine schmalere Silhouette und außerdem Gurken-CHiasamen-Smoothies statt bösem Schwarztee mit echter Kuhmilch trinke, ich vergifte mich ja quasi. Kein Wunder, dass ich so aussehe. Jeder ist slebst schuld, jede Frau für jedes ihrer Pölsterchen und weiteren vermeintlichen Schönheitsfehler slebst verantwortlich. Jawoll. Sol sie doch früher aufstehen und trainieren, bevor die Kinder wach werden, sie zur Arbeit hetzt, den Einkauf macht und alles andere erledigt. Um bitteschön abends gut auszusehen und gut drauf zu sein. Dabei aber dennoch genug schlafen, und nicht gestresst sein. Stress macht hässlcih, Weiß doch jeder. also reiß dich mal zusammen und sei gefälligst entspannt, zwischen Kinderzahnarzt, Kollegenmeeting und Wäsche aufhängen.

Ich kriege skurrile Angebote für Pillen, die schlanker, straffer, schöner, sexier, und (was fehlt? reicher) machen. Ich sehe ständig Tipps zum klein sein, schön sein, dünn sein, braun sein, aber nicht zu braun, elagent sein, sportlich sein, feminin sein … Und was weiß ich noch alles. Mein Kopf schwillt an wie eine faule Melone in der Sonne. Und das obwohl ich nicht einmal einschlägige Magazine, ob Print oder digital – lese … Es kommt einfach à la “Du bist eine Frau, du kriegst das jetzt vor den Latz geknallt”.

Hm. Zugegeben, nach der Geburt meines Kindes fand ich es auch nicht prickelnd, nur noch Headlines zu Babycremes, Stillhütchen und Beckenbodentraining zu bekommen, aber das hier, dieser Schönheits-Schmu, der lässt gefühlt nie nach. Ich bin jetzt 40 und seitdem ich denken kann, wurde überall suggeriert, “du sollst dich pflegen, abnehmen und dich schöner machen”. Das höchste der Gefühle in den Frauenzeitschriften war noch: “Du musst dich lieben, dich annehmen. Aber schöner machen kannst du dich trotzdem – mit dem und dem Produkt, der und der Übung, dieser oder jener Diät.”

Ich habe das Glück in meinem Leben noch nie iene Diät gemachtzu haben. Und manchmal hoffe ich inständig, dass das auch so bleibt. Vor allem, wenn ich von dubiosen Kohlsuppen-Diäten, Steinzeit-Ernährung, buntem Anrühr-Pulver statt echtem Essen oder anderen kulinarischen Besonderheiten höre, die mir schon im Vorfeld den Appetit verderben würden.

Du sollst fit sein, schöns ein, schlank sein – und das alles so, dass es dir keine Mühe macht. Lächeln ist die Devise. Masken anrühren, Suppen anrühren, Haarspülungen anrühren, … Wachsen, cremen, schrubben, wechselduschen, Cellulite wegätzen, Stromimpluse zum Muskelaufbau, komplizierte Haar-Dingens – und das alles bitte regelmäßig. Sonst bringt es nichts. Dann bist du auch wieder selbst Schuld. oder hast das falsche Produkt benutzt.

So viel Zeit hätte ich auch gar nicht, den ganzen Tag Yoga, Jogging, Pliates, Maniküre, Pediküre, Gesichtspeeling, Gesichtsmaske, Grundierung, Augenbrauen zupfen / anmalen, Wimpern ankleben, Schminken, Haare waschen, spülen, kömmen, frisieren, sprayen … Abends Antikfaltencreme, baden, salben, feilen, bürsten, massieren, einbalsamieren, ach nein, das war es etwas anders. Abwechslung böten nur die Termine beim Zahnarzt, wahrscheinlich heißt er bald, “Zahnästhet” statt Zahnarzt wenn ich mir die gleichförmig gebleachten Hollywoodsternchen-Beißerchen anschaue, bei der Kosmetik, eine Runde Botox für alle, beim Friseur mit Mineralwasser und koffeinfreiem Soja-Latte (wird der Gala-Inhalt wiedergekäut), und beim Brust-, Nasen-, Bauchdeckenoptimierer (sprich Schönheitschirurgen). Dieser hätte gut zu tun, weil immer wenn eine Baustelle in Angriff genommen wurde, es irgendwo anders schon wieder hängt, wabbelt oder fleckig wird.
Ich müsste wohl auf meine schmalen Lippen verzichten und die Armeen von Leberflecken uaf der Haut. Ebenso auf die Brüste, denen man ansieht, dass sie ein Kind gestillt haben, meine Mundfältchen und die Reiterhosen, obwohl ich gar nicht reiten kann. Mein Bauch würde eingeebnet, wäre flach wie eine Briefmarke, meine Haare hätten das doppelte Volumen, mein Oberarmfleisch könnte niemandem mehr zuwinken und ich wahrscheinlich gar nicht mehr aufhören zu lächeln, weil das Facelifting doch einen Tick zu weit ging und nun meine Ohren wackeln, wenn ich ein “O” formen will.

Keine Ahnung, wie es mehr oder weniger prominente Menschen schaffen, neben all den Fassadenarbeiten noch Filme zu drehen, Songs zu singen, Affären zu haben (deshalb muss wahrscheinlich so oft der Personal Trainer ran, für einen anderen wäre gar kein Platz im Terminkalender), Interviews zu geben, magersüchtig zu werden, Drogen zu konsumieren und dabei auch noch Kinder groß zu ziehen. Es sei denn, sie machen das selbst. Müssen sie ja nicht.

Ich käme mir vor, wie ein wandelndes Kunstwerk. Angegafft, bewertet, kommentiert – und ohne eine Minute Zeit für mich, für meinen Kopf, meinen Verstand, meine Gefühle. Ich wäre so damit beschäftigt, ständig irgendwas zu optimieren, trainieren oder vor dem Verfall zu retten, dass ich zu nix anderem mehr käme. Auch nicht dazu, Kolumnen über den allseits bekannten, dennoch nicht nachlassenden Schönheitswahn zu verfassen, (der mich immer wieder und immer noch erstaunt, fasziniert, beschäftigt, abstößt und inspiriert). Bei Kaffee und Brioche. Mit Gluten. Mit Fett. Mit Kohlenhydraten. Und mit Geschmack … ;-) Ich fahre mir durch meine dichten Augenbrauen, mein unfrisiertes Haar, mache den ersten knopf der Hose auf, um Platz für ein Corissant zu schaffen und vertiefe bewusst Stirn- und Augenfältchen. Mal sehen, ob es mich (morgen) stört …

Eure BARBARA

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