Zugegeben: Ein viel versprechender Titel …
Abnehmen durch Annehmen. Unbewusste Gefühle verstehen – körperlichen Ballast loswerdenWeil dein Körper ein Spiegel deiner Geschichte ist — Keine Diät. Kein Zwang. Kein Verzicht.
(Andreas Winter)
Der Wunsch nach Gewichtsreduktion – ohne Zwang und Verzicht …?
Das Buch greift ein Thema auf, in dem sich viele Menschen wiederfinden: Essen als Reaktion auf Gefühle statt auf Hunger, der ständige Wechsel zwischen Vorsatz, Verzicht und Rückfall sowie das nagende Gefühl, „eigentlich alles zu wissen und es trotzdem nicht umzusetzen“. Das Buch spricht Leserinnen und Leser emotional an und benennt konkrete Frusterfahrungen. Ich persönlich kenne einiger solcher Fälle.
Die These von „Die Psychosomatik des Übergewichts“ finde ich spannend. Andreas Winter stellt die gängige Erklärung vom fehlenden Durchhaltevermögen infrage und verlagert die Ursachen für Essprobleme konsequent in die frühe Kindheit. Sein Ansatz: Nicht mangelnde Disziplin, sondern unbewusste Prägungen steuern das Essverhalten bis ins Erwachsenenalter. Diese Perspektive kann entlastend wirken, weil sie Schuld und Selbstabwertung reduziert. Der Ton des Buches ist verständnisvoll.
Manchmal nur wirkt die Erklärung etwas zu eindeutig. Komplexe Zusammenhänge aus Biologie, sozialem Umfeld, Gewohnheiten, Stressbelastung und individueller Lebenssituation spielen gewiss auch eine wichtige Rolle.
Frühkindliche Erfahrungen sind da sicher nur ein Baustein, denke ich persönlich. Differenzierung ist da bedeutsam. Und wie die versprochene Mühelosigkeit der Veränderung erreicht werden soll, ist sicher auch nicht ganz ohne. Die Aussicht, emotionales Essen durch Einsicht, Achtsamkeit und Vergebung nahezu automatisch aufzulösen, kann Hoffnung machen – birgt aber zugleich das Risiko, unrealistische Erwartungen zu wecken.
Ergo: Für manche Leser dürfte der Ansatz hilfreich sein.
Bonus: Das integrierte Zehn-Tage-Programm ist klar strukturiert und folgt der Logik des Buches konsequent. Es vermittelt Orientierung und setzt das vorher Gelesene/ Gelernte quasi in die Praxis um.
Gute Lesbarkeit, Strukturierung und Aufmachung sind positiv zu erwähnen. Wer sich von klassischen Diäten enttäuscht abgewandt hat und nach einer emotionalen Erklärung sucht, findet hier vielleicht neue Denkanstöße. Bei schwerwiegenden Essproblemen sollte jedoch immer fachliche Unterstützung in Anspruch genommen werden. Für alle anderen ist eine interessante Lektüre.